Donnerstag, 23. Januar 2014

Operation "Schneewochenende" - Chorissimo im Auslandseinsatz


Ein Missionsbericht

Freitag, 10. Januar


Unsere Expeditionsgruppe von 18 mutigen, teils übermütigen Chorissimisten (zu ihrer eigenen Sicherheit bereits in kleinere Einsatzgruppen eingeteilt) bricht auf ins Ungewisse. Wintertaugliche Reifen führen uns aus der wohl bekannten Zivilisation auf immer einsamer werdende Straßen. Die Berge werden rauer, Nebel wallen in den Tälern und die Dunkelheit legt sich wie ein Tuch auf die weite Gebirgslandschaft. Die Anspannung wächst, je näher wir unserem Ziel kommen: dem 1244m hohen Klínovec, der sich majestätisch hinter böhmischen Dörfern erhebt. Die hereinbrechende Nacht verhindert, dass wir noch am gleichen Abend den Aufbruch zu den Gipfeln wagen können.

Umso überraschender ist bei Erreichen des provisorischen Basislagers die Nachricht, dass ein Einsatzteam bereits Erkundungen im Zielgebiet vornehmen konnte. Offenbar wurden bereits erste Spuren von "Schnee" gesichtet - wir alle sind voller Zuversicht.


Bei "Schnee" handelt es sich unseren Informationen zufolge um eine flüchtige weiße Substanz, welche bereits bei extrem niedrigen Temperaturen einen Phasenübergang vollzieht und lediglich Wasser übrig lässt. Aus nahezu allen Kulturkreisen Mitteleuropas sind Überlieferungen bekannt, die dem "Schnee" verschiedenste nützliche Eigenschaften und Wirkungen zusprechen - wir werden uns hoffentlich bald selbst davon überzeugen können.

Den Abend verbringen wir mit der weiteren Planung, bewirtet von gastfreundlichen Eingeborenen des Dorfes Jachymov, in welchem wir unser Lager aufgeschlagen haben. Inspiriert durch die belebende Wirkung eines Getränkes, das die Dorfbewohner "Pivo" nennen (es scheint sich dabei um eine Art vergorenen Hopfenblütentees zu handeln), beginnen wir fest an ein erfolgreiches Missionsende zu glauben.


Samstag, 11. Januar

In aller Frühe werden hastig letzte Aufbruchsvorbereitungen getroffen, Material wird verteilt, mögliche Routen zum Gipfel werden besprochen. Die Strapazen des Vortages stecken uns noch in den Gliedern, aber uns bleibt keine andere Wahl als baldigst aufzubrechen, um noch vorm Abend zurückkehren zu können. Teils zu Fuß, teils bereift schlagen wir uns ins Zielgebiet durch. Je näher wir den Hängen des Klínovec kommen, um so öfter finden sich kleinere Vorkommen von "Schnee" - doch wir sind uns sicher, weit mehr davon entdecken zu können.

Halb erfroren erreicht das letzte Team den Gipfel in den frühen Nachmittagsstunden - wir sind überwältigt: Ein über und über weiß glänzender Hang breitet sich unter uns aus. Die schwachen Strahlen der tief stehenden Sonne lassen seine Oberfläche wie ein Meer von Sternen schimmern.
Hier im Krušné hory, wohin einst der Silberrausch die Menschen in Scharen lockte und wo später in unrühmlichen Kapiteln der Geschichte unter menschenunwürdigen Bedingungen Uranerze zutage gefördert wurden, haben wir ihn nun gefunden - den "Schnee".
Augenblicklich spüren wir seine heilsame Wirkung. Diejenigen, welche eher den Gipfel erreichten, blicken uns mit verklärten Augen an. Offenbar hat die längerfristige Einwirkung von "Schnee" zu enormen Ausschüttungen von Adrenalin und Endorphin geführt. Die Überlieferungen der Einheimischen erscheinen nicht übertrieben.

Unweit des Vorkommens entdecken wir eine Hütte. Freundliche Eingeborene empfangen uns mit "Česneková polévka", einer kraftspenden Brühe aus Knoblauch und einem bisschen Knoblauch, und dem uns bereits bekannten "Pivo".
Nachdem wir uns so lange wie möglich dem "weißen Gold" ausgesetzt haben, treten wir den Rückweg ins Basislager an. Unsere Mission ist geglückt. Berauscht von "Schnee" feiern wir ausgelassen den erfolgreichen Tag. Die Einheimischen bringen uns "Pivo".


Sonntag, 12. Januar

Der Aufbruch geht deutlich langsamer vonstatten als am Vortag. Offenbar sind gewisse Nebenwirkungen des "Schnees" noch näher zu untersuchen. Der Gedanke an "Pivo" bereitet Kopfschmerzen.
Doch die Erfahrungen des Vortages lassen uns nicht zögern, wieder zum Gipfel aufzubrechen. Wir können nicht anders.

Noch einmal genießen wir das berauschende Weiß - es scheint mehr geworden zu sein - unter unseren Füßen. Und noch einmal suchen wir die Hütte der gastfreundlichen Bergbewohner auf. Erneut bewirten sie uns herzlich. Wir danken es ihnen mit buntbedrucktem Papier, welches sie anscheinend sehr lieben.

Wir haben Kraft getankt und können den weiten Heimweg zurück in die Zivilisation antreten. Noch lange wird von unserer Expedition berichtet werden - Operation "Schneewochenende" ist ein voller Erfolg.
Unser ewiger Dank gilt den Eingeborenen, welche uns vor Hunger und Durst bewahrten, sowie unserem Einsatzleiter P., der uns alle, den Widrigkeiten zum Trotze, bis zum Gipfel und wieder nach Hause brachte. Danke für alles!




Wir sind wieder da - frischer, besser und schöner denn je... All unseren Fans noch ein gutes und erfolgreiches Jahr 2014!

Wir halten Euch auf dem Laufenden.

Eure Chorissimisten

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